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Zappelphilipp : AD(H)S – Betroffene räumen mit Vorurteilen auf

Gladbeck, 23.05.2011, Lennart Krotzek


Die Selbsthilfegruppe Zappelphilipp lud zum Infotag in die Stadthalle. Viele Interessierte kamen. Foto: Jan Dinter / WAZ FotoPool

Gladbeck. „Ob der Philipp heute still wohl bei Tische sitzen will?“, zitierte Bürgermeister Ulrich Roland die Geschichte des Zappelphilipps aus Heinrich Hoffmanns Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ bei der Eröffnung des ersten AD(H)S-Info Tags in Gladbeck. Veranstaltet wurde dieser von der Selbsthilfegruppe Zappelphilipp Gladbeck. Mit Workshops, Vorträgen und einer kleinen Infomesse wollten sie das Thema einer breiten Öffentlichkeit nahe bringen. Vor allem Eltern von betroffenen Kindern sollten so angesprochen werden.

Drei bis sieben Prozent aller Kinder sind von dem „Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit oder ohne Hyperaktivität“ betroffen. Die Idee zu dieser Veranstaltung, bei der auch viele renommierte Experten Vorträge hielten, kam den Organisatoren vor einem Jahr beim Besuch eines AD(H)S-Infotags in Brandenburg. Dem Mangel an Informations- und Austauschveranstaltungen in Gladbeck und Umgebung wollten die Mitglieder der Selbsthilfegruppe ein Ende setzen. Und so hat die 2006 gegründete Gruppe ein Jahr lang geplant und organisiert, um nun betroffenen Eltern in Form einer Messe die Möglichkeit zu bieten, sich zu informieren und weiterzubilden. Ziel war auch, bestehende Vorurteile gegenüber Kindern mit AD(H)S abzubauen. Denn häufig sind die sozialen Auswirkungen der Krankheit schlimmer als die Krankheit selbst. So sieht Erika Blaszka, Initiatorin der Selbsthilfegruppe, weiterhin „Vorurteile, Ablehnung und Ausgrenzung von der Familie, Freunden oder Lehrern“ als ein großes Problem. Außerdem, kritisierte Blaszka, müsste es noch viel mehr Hilfe und Unterstützung für Familien mit AD(H)S-Fällen geben. Und auch Ulrich Roland sieht die aktuelle öffentliche Betrachtung der Krankheit kritisch. „Betroffenen Kindern wird noch zu oft mit Ablehnung, Ungeduld oder Strafe statt mit Verständnis begegnet“, sagte der Bürgermeister bei seinem Grußwort.

Schnell wurde den gut 100 Interessierten in der Stadthalle klar, worin die Probleme der Betroffenen liegen. AD(H)S-Kinder verfügten, so Erika Blaszka, über keine Lobby und die finanzielle und personelle Versorgung von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen sei unzureichend. „Das Regionale Netzwerk AD(H)S Gladbeck und die Selbsthilfegruppe Zappelphilipp tragen nachhaltig zu einer Verbesserung der Versorgung bei, doch weitere Unterstützung ist notwendig“, stellte Blaszka fest.

Auch die AD(H)S-Kinder kamen bei der Veranstaltung selbst zu Wort: Sie überraschten mit einer Tanzperformance und dem „Zappelphilllipp-Song“ , in dem es heißt „Ihr könnt sagen was ihr wollt, denn mir ist klar, dass auch Einstein ein Zappelphilipp war!“ Phillip Oligmüller und Thomas Seidensticker hatten das Stück eigens für die Veranstaltung erarbeitet. Der Song im Besonderen und der AD(H)S-Infotag im Allgemeinen zeigten deutlich das neue Selbstbewusstsein der Betroffenen. Und so liegt es nahe, dass Erika Blaszka, die mit der Resonanz zufrieden war, vorsichtig ankündigte, in zwei Jahren eine Neuauflage veranstalten zu wollen.  

Pressemitteilung der Stadt Gladbeck 
AD(H)S-Infotag– Der Krankheit gemeinsam besser begegnen



Lincoln, Einstein und Mozart – sie alle hatten nach neuen Erkenntnissen etwas gemeinsam – nämlich die Krankheit AD(H)S.

Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, mit oder ohne Hyperaktivität, ist erst seit einigen Jahren ins öffentliche Bewusstsein gelangt, obwohl nach manchen Schätzungen fast sieben Prozent aller Kinder darunter leiden.

In Gladbeck ist die Selbsthilfegruppe Zappelphilipp, gegründet vor fünf Jahren, aktiv, um über AD(H)S zu informieren, Vorurteile abzubauen und die Situation für Betroffene und deren Familien zu verbessern.

Unterstützt vom Gladbecker Bündnis für Familie – Erziehung, Bildung, Zukunft, fand am vergangenen Samstag in der Gladbecker Mathias-Jakobs-Stadthalle ein großer AD(H)S-Infotag statt.

Namhafte Referenten, viele Stände und interessante Vorträge boten Eltern und Fachpublikum ein breites Informationsspektrum.

Auch Bürgermeister Ulrich Roland, der die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte, dankte der Selbsthilfegruppe für ihr Engagement und erinnerte in einem leicht abgewandelten Liedtext von Klaus Hoffmann daran, wie wichtig es ist, Kinder mit AD(H)S effektiv zu unterstützen: „Jedes Kind braucht einen Engel, der es schützt und der es hält. Jedes Kind braucht einen Engel, der es auffängt, wenn es fällt – dies gilt für alle Kinder, aber für manche vielleicht ein bisschen mehr.“

Dass AD(H)S-Kinder viele, manchmal verborgene Talente haben, machte der AD(H)S-Rap deutlich, den Phillip Oligmüller und Thomas Seidensticker gemeinsam mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen auf die Bühne brachten.

„Ihr könnt sagen, was ihr wollt, denn mir ist klar, dass auch Einstein schon ein Zappelphilipp war“ heißt es in dem Songtext, der vor allem eines deutlich machte: AD(H)S-Betroffene wollen über ihre Krankheit reden und sich nicht mehr verstecken.

 
Zappelphilipp-Song von Phillip Oligmüller und Thomas Seidensticker

Hallo ich bin der Philipp und ich bin leicht zu reizen
Bis ich an die Decke geh, kannst du nicht bis 3 zählen.
Ich denk über manches nicht nach bevor ich’s tu
Vor allem Ungerechtigkeit lässt mir keine Ruh.
Ich bin immer vorn dabei, wenn’s um’s Helfen geht
Und ich sehe immer schnell, wenn’s um andere nicht gut steht.
Auch wenn’s manchmal schwer ist, bei Pflichten zu verweilen
Ich seh was andere bedrückt, lese zwischen den Zeilen.
Am liebsten würde ich hundert verschiedene Sachen
Und nicht die langweiligen Hausaufgaben machen.
Während ich hier mit Mathe herumsitze
Denk ich nur: Computer spielen wär jetzt Spitze!

Lincoln, Mozart, Gates und Einstein hatten ADS
Ich muss nicht so’n Mann sein
Doch ich kann’s, das weiß ich jetzt!
Ihr könnt sagen was ihr wollt, denn mir ist klar,
dass auch Einstein schon Zappelphilipp war!

Lehrer und Erzieher fanden mich immer schlimm,
weil ich kein Muster an Aufmerksamkeit bin.
Ich hab immer das berühmte letzte Wort,
ich bin zwar sensibel doch vergebe sofort.
Beim Duschen und Sachen packen trödel ich gerne,
es sind die Gedanken, sie schweifen in die Ferne.
Mein Zimmer aufzuräumen dauert super lang
und wenn Mama gucken kommt, fang ich gerade an.
Meine Handschrift ist chaotisch wie mein Zimmer
und je älter ich werde, die Handschrift wird schlimmer.
Ich bin in etwas richtig gut, wenn’s mich interessiert,
weil eine gute Sache ihren Reiz nicht verliert.
Dann bin ich lernfähig, ehrgeizig, einsatzbereit,
dann bin ich der Beste weit und breit.

Lincoln, Mozart, Gates und Einstein hatten ADS
Ich muss nicht so’n Mann sein
Doch ich kann’s, das weiß ich jetzt!
Ihr könnt sagen was ihr wollt, denn mir ist klar,
dass auch Einstein schon Zappelphilipp war!

Ich hab gehört, dass Lincoln Präsident der USA
Genau wie ich und und viele hier ADSler war.
Er wollte Menschen mitreißen und er wusste wie,
denn er war ein Zappelphilipp mit massig Phantasie.
Und auch Wolfgang Mozart, bevor ich es vergess,
ihr wusstet sicher schon, hatte ADS.
Kreativität ist weit verbreitet unter uns,
nur (die) Konzentration, das ist meist die Kunst.
Bill Gates, ein Kopf mit nem riesen Speicher,
ein Mann mit ADS und zwar ein superreicher
doch weniger das Geld, als mehr die Ideen
und seine Visionen bitt ich euch zu seh’n!